Die Datenbank Schriftstellerinnen in Deutschland, Österreich, Schweiz 1945-2008 hat ein neues Zuhause! Die Betreiberinnen der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel freuen sich über dieses Erbe. Am 30. März 2017 sind die Daten, alle Arbeitsunterlagen, Korrespondenzen, Belege über unsere Aktivitäten, die Bände der Schriftenreihe Inter-Lit und etliche Nachschlagewerke nach Kassel ausgewandert. Dort wird in den folgenden Monaten die Datenbank an das Retrievalsystem des dortigen Katalogs angepasst werden und ab 2019 können alle NutzerInnen weltweit darauf zugreifen. Bis dahin stehen die Daten weiterhin über DaSinD online zur Verfügung.

Wir freuen uns sehr über diese so einfache Lösung. Wir waren stets der Überzeugung, dass es irgendwo interessierte Frauen gibt, die unsere Arbeit von über dreißig Jahren zu würdigen wissen und die Ergebnisse weiter hüten, verbreiten und zugänglich halten wollen. In der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung haben wir sie gefunden. Wir sind überzeugt, dass die neue Adresse in Kassel für die Datenbank Schriftstellerinnen in Deutschland, Österreich, Schweiz 1945-2008 genau die richtige ist.

Mit dem Umzug der Datenbank entfällt auch der Vereinszweck der Stiftung Frauen-Literatur-Forschung e.V., d. h. der Verein stellt damit seine Aktivitäten ein. Die letzten aktiven Mitstreiterinnen blicken auf eine lange, intensive, konstruktive und inspirierende Zeit zurück und – wir freuen uns auf die neue Zeit.

Die neue Adresse:
Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung
Barbara Günther
Gottschalkstraße 57
34127 Kassel
Tel.: +49 (0)561-989 36 70 / Fax: +49 (0)561-989 36 72
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Am 13. Juli 1986 fanden sich neun FreundInnen und KollegInnen zusammen, um die Gründung des Vereins Stiftung Frauen-Literatur-Forschung e.V. in Bremen auf den Weg zu bringen. Die Initiatorin, die Bibliothekarin Marion Schulz, ist seitdem Vorsitzende, Projektleiterin, Herausgeberin – oder anders ausgedrückt: die Verantwortliche für Personal, Budget und Entwicklung der Arbeitsvorhaben. Worauf sie und alle MitstreiterInnen nach dreißig Jahren zurückblicken können, war damals nicht einmal in Ansätzen zu erahnen. Anlässlich des runden Jubiläums wird sie hier die kurze Geschichte des Vereins zusammenfassen.

An erster Stelle genannt zu werden, gebührt den vielen MitarbeiterInnen, PraktikantInnen und Ehrenamtlichen, die es – oft über viele Jahre – dank ihrer Arbeitskraft, ihrer Erfahrungen und ihres Engagements möglich machten, eine Vielzahl von Projekten durchzuführen. Die investierte Zeit entzieht sich der Messbarkeit, ebenso die vielen kreativen Impulse, die eingebracht wurden. Niemand hat die Stunden gezählt, die Ideen festgehalten; alles ist eingeflossen in die Konzeptionen und Arbeitsabläufe, ist eingegangen in die Ergebnisse und dadurch immanent sichtbar, jedoch nicht statistisch belegbar.

An zweiter Stelle ist ein Blick auf dreißig Jahre Entwicklung und Aufbau der Datenbank Schriftstellerinnen in Deutschland, Österreich, Schweiz 1945-2008 zu richten, dem Projekt, dem alle weiteren Unternehmungen gefolgt sind: die Präsentation der Datenbank aus Anlass ihres 10-jährigen Bestehens im Schaufenster der Zentrale der Stadtbibliothek Bremen, die Podiumsdiskussion zum 20-jährigen Jubiläum, fünf große in Eigenverantwortung durchgeführte literaturwissenschaftliche Tagungen. Bei weiteren vier Tagungen war die Stiftung Frauen-Literatur-Forschung e.V. Kooperationspartnerin des Freien Deutschen Autoren Verbands (FDA) und den Frauen in der Literaturwissenschaft e.V. (Fridel). Hinzu kommt die jährliche Herausgabe der Schriftenreihe INTER-LIT, in der von 1999 bis 2013 vierzehn Bände erschienen sind, und schließlich die zwei szenischen Lesungen, die aus der thematischen Arbeit an INTER-LIT hervorgegangen sind.

Dreißig Jahre Stiftung Frauen-Literatur-Forschung e.V., das heißt dreißig Jahre Arbeit an und mit der Datenbank Schriftstellerinnen in Deutschland, Österreich, Schweiz 1945-2008. Diese ist bis heute das zentrale Projekt des Vereins geblieben. Anfang der 1980er-Jahre, inmitten der zweiten Frauenbewegung, wurde die Kritik an der teilweise verachtenden und einem oft ignorierenden Umgang in Wissenschaft und Gesellschaft mit Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Komponistinnen und ihren Arbeiten immer lauter. Die Gründungsgruppe des Vereins bestand aus BibliothekarInnen, DokumentarInnen und Germanistinnen, die sich zum Ziel setzten, eine Datenbank zu Schriftstellerinnen und ihren Werken aufzubauen. Dahinter stand der Leitgedanke, ästhetische Wertungen außen vor zu lassen, also wertfrei zu arbeiten. Die Fachwelt sollte selbst die Möglichkeit haben, diese Wertungen vorzunehmen oder auch andere Untersuchungen qualitativer oder quantitativer Art zu beginnen. Es sollte der Zugriff auf die möglichst vollständigen Titeldaten der literarischen Werke von Frauen für den Erfassungszeitraum ermöglicht werden. Durch stetiges Optimieren der Inhalte und der Suchoptionen liegt heute eine Datenbank vor, die komplexe Recherchen ermöglicht und statistischen Forschungsmethoden zuarbeitet. Zweimal wurden der zeitliche Rahmen und der geografische Raum ausgeweitet. War die Datenbank zunächst für Werke konzipiert, die in den Jahren 1945-1985 in der BRD erschienen waren, wurde sie ab 1990 mit den Publikationen der DDR und ab 2008 mit den Publikationen in Österreich und der Schweiz erweitert – jeweils rückwirkend mit den Erscheinungsjahren ab 1945.

Damals ganz zu Beginn – 1986 – taten die InitiatorInnen des Vereins, einen Schritt ins Neuland, und zwar in dreierlei Hinsicht: innerhalb der Digital Humanities (damals hieß es „Einsatz der EDV“), im Zusammenhang mit frauenorientierter Forschung und nicht zuletzt innerhalb der deutschen und internationalen Literaturwissenschaft. Obwohl inzwischen weitere einschlägige Datenbanken entstanden sind z. B. die Datenbanken WomenWriters (Niederlande), Sophie (Brigham Young University, Utah), Ariadne (Österreich) und die vielen Datenbanken der regionalen Literaturbüros der deutschen Bundesländer hat die Datenbank Schriftstellerinnen in Deutschland, Österreich, Schweiz 1945-2008 in ihrer Art der Berichterstattung und Zielsetzung noch immer ein Alleinstellungsmerkmal.

Dreißig Jahre Stiftung Frauen-Literatur-Forschung e.V., das heißt auch Beschäftigung, Ausbildung, Weiterbildung und Förderung von insgesamt 227 MitarbeiterInnen, die als Auszubildende, PraktikantInnen, studentische Hilfskräfte, Ehrenamtliche oder aber als Beschäftigte im Rahmen von öffentlichen arbeitsmarktpolitischen Programmen für Langzeitarbeitslose mitgewirkt haben. Die große Anzahl der MitarbeiterInnen darf über einen Punkt nicht hinwegtäuschen: Nicht alle sind drei Jahrzehnte lang dabei gewesen. Nicht alle haben 5 Tage die Woche 8 Stunden gearbeitet. Die PraktikantInnen (insgesamt 97) kamen in der Regel für 6 Wochen bei einer Arbeitszeit von 6 Stunden am Tag. Die Ehrenamtlichen (insgesamt 52) gestalteten ihren Einsatz flexibel und arbeiteten jeweils 3 bis 4 Stunden an 2 oder 3 Tagen in der Woche; die 1-Euro-Jobberinnen (insgesamt 16) hatten einen 5- oder 6-Stundentag über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten hinweg. Nur die Mitarbeiterinnen mit den ABM-Verträgen (insgesamt 62) unterlagen der tariflichen Arbeitszeitregelung von 38 Wochenstunden. Die durchschnittliche Verweildauer lag bei 6 Monaten bis 2 Jahren. Dieser ständige Wechsel von MitarbeiterInnen erforderte einen hohen Grad an Organisation und Zeitaufwand hinsichtlich der Einarbeitung, Betreuung sowie der Kontrolle und der Nachbereitung.

Bei den ABM-Stellen und 1-Euro-Jobs waren nur sehr wenige MitarbeiterInnen dabei, die eine einschlägige Vorbildung mitbrachten. Die meisten kamen aus kaufmännischen oder handwerklichen Berufen oder hatten keine Ausbildung. Sie waren motiviert und einsatzfreudig; nicht alle jedoch waren zu allen Arbeitsschritten in der Lage. Auch persönliche Probleme, die aus der langen Zeit der Arbeitslosigkeit stammten, wirkten oft während der Arbeit für den Verein weiter. Neben der Bewältigung der Kernaufgaben, also der Datenbank und der daraus sich entwickelnden Projekte, hatte die Verantwortliche hier vielerlei Hilfestellung zu leisten. Ebenso bei der Betreuung der PraktikantInnen, zumeist Studierende unterschiedlicher Fächer, gehörte neben der fachlichen Einweisung die Lebens- oder Studienberatung zu dem Aufgabenbereich der Projektleiterin.

Dass viele von denen, die kürzer oder länger mitwirkten, einen unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergrund mitbrachten, war durchaus eine Herausforderung, wenngleich eine, die von allen stets als Bereicherung erlebt wurde! Unter den wechselnden Arbeitsteams fanden sich immer wieder Frauen aus Polen, Österreich, Spanien, Frankreich, Russland, Kasachstan, Peru und den USA. Das Wort „Stiftung" im Vereinsnamen steht so gesehen auch für Vielfalt und integrationsfördernde Kommunikation.

Die unendlich vielen Arbeitsstunden, den Mut und Optimismus, die Kreativität und das Durchhaltevermögen wurde von allen jeweils Beteiligten „gestiftet“ – jeden Tag neu, dreißig Jahre lang. Das Wort „Stiftung“ im Vereinsnamen ist kein Synonym für eine unerschöpfliche finanzielle Quelle, was zu den Fragen führt: Wieviel Gelder wurden eingesetzt und woher stammten sie?

Mitglieder, Spenden- und zeitweise Darlehensgeberinnen sorgten immer wieder dafür, dass das laufende Geschäft aufrechterhalten und so manches Vorhaben umgesetzt werden konnte. Einnahmen, die zunächst sporadisch bei jeder Neuauflage der CD-ROM DaSinD in die Kasse flossen, wurden verstetigt. Seit 2007 ist die Datenbank Schriftstellerinnen in Deutschland, Österreich, Schweiz 1945-2008 unter der Bezeichnung DaSinD online für NutzerInnen in vielen wissenschaftlichen Bibliotheken aufrufbar und deren Abonnement wird jährlich erneuert. Die Mittel aus diesen Nutzungsgebühren werden für Werkverträge und die Deckung laufender Kosten verwendet. Diese Geldmittel halten sich jedoch insgesamt in überschaubarem Rahmen. Ein Jahresabonnement kostet heute 220€: eine Einnahme, die bei zurzeit 35 Abonnenten im Vergleich zu z.B. Personalkosten kaum ins Gewicht fällt. Anders die Mittel, die die Bundesagentur für Arbeit und die Bremer Senatorin für Arbeit für die Finanzierung von sogenannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Integrationsjobs und 50+Stellen (Förderung von ArbeitnehmerInnen über 50) zu Verfügung stellten. Hier summieren sich die Zuwendungen zwischen 1987 und 2015 für insgesamt 78 Stellen auf rund 2,49 Millionen Euro. Drittmittel von insgesamt rd. 97.600 Euro und Spenden von rd. 170.000 Euro ermöglichten die Finanzierung von Tagungen, Hard- und Software, Werbung, Inter-Lit, Büromaterial, Reisen usw. Das facettenreiche Angebot der Stiftung Frauen-Literatur-Forschung e.V. war stets jede Anstrengung Wert, diese Mittel einzuwerben.

Heute blicken wir, d. h. der Vorstand, die Mitglieder des Beirats und eine kleine eingeschworene Gruppe von Ehrenamtlichen, auf eine kreative, intensive, bereichernde Zeit zurück. Wir möchten allen unseren Dank aussprechen, die an das Vorhaben glaubten, eine Datenbank zu deutschsprachigen Schriftstellerinnen und Übersetzerinnen realisieren zu können ihre Arbeitskraft und ihr Wissen einbrachten , allen die als Mitglieder und SpenderInnen den Verein unterstützen und allen, die mit der Stiftung Frauen-Literatur-Forschung e.V. Kooperationen eingegangen sind.

Seit dem 13. Juli 2015 sind wir wieder in unserem „alten“ neuen Büro zu finden! Zurück zu den Wurzeln – dorthin zurück wo Anfang der 1980er Jahre alles begann: Die Idee für eine Bibliographie zu Schriftstellerinnen wurde hier entwickelt, die ersten Karteikarten ausgefüllt, der erste PC angeschafft, die Fragebogen an die Autorinnen verschickt, Biobibliographien ausgewertet, am 13. Juli 1986 der Verein gegründet und die ersten Arbeitsplätze geschaffen. Es ist immer noch dieselbe Adresse, nur der Raum sieht anders aus: größer, heller, freundlicher, frisch renoviert. Sechs Arbeitsplätze konnten wir unterbringen und zu sechsen sind wir immer noch in unserem Arbeitsteam. Alle fühlen sich in der neuen Umgebung außerordentlich wohl – was der Arbeit ebenfalls gut tut.

Wir konnten nicht alles mitnehmen, soviel Platz ist nicht vorhanden. So mussten wir die rd. 500 „roten Ordner“ auf 40 „einschmelzen“. Ein bisschen Wehmut war schon dabei. Aber es ist so, dass die vielen Zeitungsartikel und Kopien aus den unterschiedlichsten Quellen, die wir im Laufe der Jahre gesammelt haben, alle ausgewertet und die wesentlichen Daten längst in der DaSinD eingegeben sind und daher fiel der Abschied von diesen „altmodischen Quellen“ schließlich nicht so schwer. Die Bücher aus unserer Sammlung konnten wir an Interessierte weiterreichen, aber unsere Anthologie-Sammlung durfte mit umziehen. Es ist ein Abschied, dem gleichzeitig ein Neuanfang innewohnt. So ist u.a. geplant, unseren Raum immer wieder einmal für Arbeitstreffen und Vorträge zur Verfügung zu stellen. Die BücherFrauen, Regionalgruppe Bremen, haben diese Möglichkeit bereits für ihre monatlichen Treffen angenommen.

Erstmalig geben wir – einer vielfachen Nachfrage folgend – einen fotogenen Einblick in unsere Arbeit. Auf zwölf Kalenderblättern lassen wir die Jahre seit unserer Gründung exemplarisch Revue passieren. Sie können den Kalender über Ihren Arbeitsplatz aufhängen oder auch – falls dort noch Raum ist – auf Schreibtisch stellen und sich von heiteren Episoden durch das Jahr geleiten lassen.

Der Kalender kann ebenfalls wunderbar als Geschenk dienen für diejenigen, die bereits alles haben.

Er kann ab sofort für 10 € erworben werden (plus 1,45 € Inlands-Porto /3,45 € Auslands-Porto). E-Mail genügt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

Seit 1986 haben wir eine Datenbank über Schriftstellerinnen im deutschsprachigen Raum und ihre Werke zusammengetragen. Dabei haben sich, im Laufe unserer Recherchen, mehr biographische Informationen bei uns angesammelt, als wir bearbeiten und unseren BenutzerInnen zugänglich machen konnten.

Um das zu ändern, starten wir heute eine Crowdfunding-Kampagne bei Indiegogo, denn für die Redaktion der Daten benötigen wir finanzielle Unterstützung.

Abgesehen von der Verbesserung unserer Datenbank gibt es auch ein paar kleine Dankeschöns für diejenigen, die sich beteiligen. Die Kampagne finden sie hier. Eine deutsche Version des Textes ist dort direkt unter dem Video verlinkt.